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29.11.2018

DKE/ZVEH-Tagung in Berlin

Neue technische Regeln für Anschluss und Betrieb

Das Vortragsprogramm der diesjährigen DKE/ZVEH-Tagung in Berlin beschäftigte sich mit aktuellen Normungsthemen, Innovationen und künftigen Herausforderungen für die E-Branche. Auf besonderes Interesse stieß die Neugestaltung der Technischen Anschlussbedingungen (TAB).

Bild: A. Stöcklhuber

Alle zwei Jahre findet die gemeinsame Tagung der DKE und des ZVEH statt. In diesem Jahr kamen die technischen Delegierten und zahlreiche Ehrenamtsträger am 8. und 9. November in Berlin zu einem Informationsaustausch und Diskussionsrunden zusammen. Das umfangreiche Vortragsprogramm beschäftigte sich mit aktuellen Normungsthemen, Innovationen und künftigen Herausforderungen für die E-Branche. Auf besonderes Interesse stieß die Neugestaltung der Technischen Anschlussbedingungen (TAB).

Die voraussichtlich im Frühjahr 2019 in Kraft tretende neue VDE-AR-N 4100 (auch TAR – Technische Anschluss Regel) löst unter anderem die VDE-AR-N 4101 und 4102 ab. Sie vereint alle Anforderungen für den Anschluss und Betrieb von Kundenanlagen an das Niederspannungsnetz in einem Dokument. Die bisherigen Regeln sind überarbeitet in das neue Dokument eingeflossen und an den Stand der Technik angepasst. Der vorliegende Beitrag thematisiert die wichtigsten Überarbeitungen.

Die VDE-AR-N 4100 gilt im Zusammenhang mit der VDE-AR-N 4105 auch für Erzeugungsanlagen. Sie ist bei neu zu errichtenden Anlagen anzuwenden. Für bestehende Anlagen gibt es keine Anpassungspflicht, sofern ein störungsfreier und sicherer Betrieb möglich ist.

Grundsätzlich unterscheidet die VDE-AR-N 4100 zwischen einer Kundenanlage und einer Anschlussnutzeranlage. Eine Kundenanlage beginnt am Hausübergabepunkt, in der Regel im Hausanschlusskasten an den Klemmen zur Zuleitung an den Zählerschrank. Sie umfasst die gesamte dahinter angeschlossene elektrische Anlage mit Ausnahme der Messeinrichtung. Die Anschlussnutzeranlage beginnt unmittelbar nach der Messeinrichtung und umfasst ebenfalls die angeschlossene elektrische Anlage. Diese Unterscheidung ist für die Definition der Zuständigkeiten notwendig, wenn Anschlussnehmer und Anschlussnutzer nicht identisch sind.

Leistungsgrößen beachten
Bei der Anmeldung elektrischer Anlagen und Geräte muss künftig besonders auf die angegeben Leistungsgrößen geachtet werden. Es wird unterschieden zwischen einer Information an den Netzbetreiber (Anmeldepflicht) und einer Anmelde- und Zustimmungspflicht, bei der der Netzbetreiber eine Genehmigung für den Anschluss erteilt. Hiervon betroffen sind auch Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge und Speicher, sobald an einem Übergabepunkt in Summe mehr als 12 kVA angeschlossen werden sollen. Unterhalb des Grenzwerts von 12 kVA besteht für Speicher immer nur eine Anmeldepflicht. Für Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge beginnt die Anmeldepflicht größer als 3,6 kVA.

Die Anforderung an den symmetrischen Anschluss, mit der Unsymmetriegrenze von 4,6 kVA, ist ergänzt um einen Abschnitt »Symmetrischer Betrieb«. Es besteht die Möglichkeit, bei dem Betrieb von Geräten die 4,6 kVA-Grenze zu überschreiten, wenn eine Symmetrieeinrichtung zum Einsatz kommt, die am Übergabepunkt die maximale Unsymmetrie von 4,6 kVA sicherstellt.

Für Zählerplätze sind in der Anwendungsregel einige Anpassungen eingearbeitet, die grundsätzlich auch für Wandlermessungen anzuwenden sind. Unter anderem ist ein Raum für APZ (Abschlusspunkt Zählerplatz) im Zählerschrank vorzusehen. In diesem Raum ist zum einen ein Buchsenstecker für die Spannungsversorgung künftiger Komponenten einzubauen, dessen Absicherung aus dem ungemessenen Bereich erfolgt.

Darüber hinaus ist vom Raum für Zusatzanwendung eine Datenleitung mit RJ45-Buchse in den Raum für APZ zu verlegen. Um den Zählerschrank zukunftssicher auszuführen, ist für die Datenkommunikation die Anbindung an den Übergabepunkt des Telekommunikationsanbieters (HÜP) sicherzustellen. Dies kann mit einem geeigneten Kabelkanal oder Rohr umgesetzt werden.

Geänderte Anschlussmöglichkeiten
Die Anschlussmöglichkeiten im anlagenseitigen Anschlussraum werden mit Inkrafttreten der VDE-AR-N 4100 geändert. Künftig dürfen von den drei gestatteten Stromkreisen im anlagenseitigen Anschlussraum nur noch ein Stromkreis für eine einphasige Erzeugungsanlage oder eine Ladeeinrichtung für Elektrofahrzeuge verwendet werden. In einem Zählerfeld, das ausschließlich der Versorgung einer definierten Anwendung – beispielsweise einer Wärmepumpe – dient, dürfen dann auch Steuer- und Schaltelemente eingebaut sein. Auch ist hier ein dreiphasiger Anschluss möglich.

Neue Regeln für Anschluss und Betrieb von Speichern und Ladeeinrichtungen
Ebenfalls neu in die VDE-AR-N 4100 eingeflossen sind Regeln für den Anschluss und Betrieb von Speichern und Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge. Der technische Inhalt zum Abschnitt Speicher stammt aus dem FNN-Hinweis »Anschluss und Betrieb von Speichern am Niederspannungsnetz«. Er wurde überarbeitet in die TAR eingearbeitet. Parallel wird dieser FNN-Hinweis weiterentwickelt, um neue Messkonzepte kurzfristig veröffentlichen zu können.

Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit dem Anschluss von Zählerplätzen im Freien. Hier ist die Anwendungsregel VDE-AR-N 4102 in die TAR übernommen und überarbeitet worden. Auch neue Anforderungen an Baustellenverteiler und Zählerplätze für Baustellen sind hier ein wichtiges Thema. Neu ist, dass künftig Baustellenverteiler maximal zwölf Monate betrieben werden dürfen. Nach Ablauf dieser Frist sind sie neu anzumelden oder zu entfernen. Die Frist kann auch verlängert werden.

Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 neu erschienen
Bereits im November 2018 ist die Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 »Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz« neu erschienen. Auch hier gibt es einige Änderungen, die für die Betriebe der E-Handwerke von Bedeutung sind. Das Thema der Netzrückwirkungen ist aus dieser Anwendungsregel herausgenommen und in die VDE-AR-N 4100 verschoben worden. Mit dieser VDE-Anwendungsregel werden die Anforderungen an Erzeugungsanlagen des Typs A aus der Verordnung (EU) 2016/631 der Kommission vom 14. April 2016 zur Festlegung eines Netzkodexes mit Netzanschlussbestimmungen für Stromerzeuger (NC RfG) national umgesetzt.

Aus dieser Verordnung stammt auch der endgültige Umsetzungstermin für die Anwendungsregel 4105, der 26. April 2019. Da die Regeln 4100 und 4105 aufeinander verweisen, gilt dieses Datum auch für die Anwendungsregel 4100.

Problematisch ist die sehr kurze Übergangszeit, die besonders im Fall der VDE-AR-N 4100 sehr kritisch zu betrachten ist, da diese Anwendungsregel derzeit noch zum Notifizierungsverfahren bei der EU liegt. Frühestens im Januar ist der Prozess bei der EU abgeschlossen. Eine Inkraftsetzung ist somit erst zum Februar 2019 möglich.

Bundesmusterwortlaut erfährt Überarbeitung
Auch der Bundesmusterwortlaut der technischen Anschlussbedingungen (TAB) erfuhr eine Überarbeitung. Die aktuell gültige Version der Muster-TAB stammt aus dem Jahr 2007 mit Stand 2011. Die neue TAB wird weitgehend auf technische Anforderungen verzichten, da diese sich in der einheitlich gültigen TAR wiederfinden. Die TAB beschränkt sich hauptsächlich auf organisatorische Inhalte. Im Bereich technischer Inhalte enthält sie Verweise auf die TAR mit weiterführenden erklärenden Ausführungen.

Aufgrund der zahlreichen wichtigen Änderungen im Bereich Anschluss und Betrieb elektrischer Anlagen am Niederspannungsnetz hat der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) entschieden, ein eintägiges Schulungskonzept zu entwickeln. Diese Weiterbildungsmaßnahme wird den Multiplikatoren der Landesinnungsverbände und den Schulungsstätten des ELKOnet vorgestellt. Diese können die Schulungsmaßnahme den Innungsbetrieben anschließend regional anbieten. Die Multiplikatorenschulungen finden am 11. und 29. Januar 2019 in Frankfurt am Main in der ZVEH-Geschäftsstelle statt.

Quelle: ZVEH

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