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17.09.2018

Anwendungen für Smart Home

Noch mangelt es an Interoperabilität

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde der Wirtschaftsinitiative Smart Living waren sich darin einig, dass der Transfer von Innovationen in den Smart-Home-Markt nur gelingen kann, wenn die bestehenden Hemmnisse beseitigt werden. Als größte Hemmschwelle wurde die fehlende Interoperabilität der einzelnen Geräte ausgemacht.

Bild: Anja Rottke/VDE

Auf der diesjährigen IFA in Berlin war vom 31. August bis 5. September die Wirtschaftsinitiative Smart Living auf dem Verbändestand von VDE, ZVEH und ZVEI vertreten. Unter dem provokant gewählten Titel „Smart Living braucht doch kein Mensch“ diskutierten Vertreter aus Wohnungswirtschaft, Elektrohandwerk, Prüf- und Standardisierungsbranche sowie die Geschäftsstelle der Wirtschaftsinitiative über das Marktpotenzial von Smart-Home-Anwendungen. Moderator Alexander Dauensteiner (Vaillant Group) wies zu Beginn der Diskussionsrunde auf den seit 20 Jahren bestehenden Markt für Smart-Home-Produkte hin, der sich vor allem in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Trotz dieser positiven Entwicklung ist das Marktpotenzial allerdings bei weitem nicht ausgeschöpft, wie Dr. Claus Wedemeier vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) betonte. „Einige Mieter und Wohnungsbaugesellschaften gehen in Deutschland voran, dahinter klafft eine große Lücke bei der Anwendung von Smart-Home-Anwendungen“.

Nach wie vor ausbaufähig ist vor allem die Nutzung sicherheitsrelevanter Technologien. Nicht einmal jeder zwanzigste Haushalt setzt zum Schutz gegen ungebetene Besucher etwa auf vernetzte Tür- und Fenstersensoren. Smarte Fernseher finden sich hingegen in 32 Prozent der Haushalte, intelligente Haushaltsgeräte werden von 13 Prozent und Sprachassistenten von acht Prozent genutzt.

Auch wenn die Nutzer von Smart-Home-Geräten und -Lösungen nach Bitkom-Studien überaus zufrieden mit ihren Anschaffungen sind, planen derzeit lediglich 23 Prozent den Kauf eines weiteren Smart-Home-Produkts innerhalb der kommenden sechs Monate. Als größte Hemmschwelle machten die Teilnehmer der Diskussionsrunde die fehlende Interoperabilität der einzelnen Geräte aus. Sie beklagten die weiterhin bestehenden Defizite bei der Standardisierung. „Der Transfer von Innovationen in den Smart-Home-Markt kann nur gelingen, wenn die bestehenden Hemmnisse beseitigt werden“, meinte etwa Dr. Reiner Wichert von der AHS Assisted Home Solutions GmbH. „Der Fokus muss somit künftig viel stärker auf der Erweiterbarkeit von Lösungen, dem Schutz der Privatsphäre und der Prüfung von Produktversprechungen liegen. Nur so kann das Vertrauen der Käufer gewonnen werden“. Seinen Worten zufolge müssen alle Player der Branche an einen Tisch gebracht werden. „Die Gründung der Wirtschaftsinitiative Smart Living ist schon einmal ein richtiger Schritt in diese Richtung“, so Wichert.

Eine entscheidende Rolle für den Erfolg bei der Einführung neuer Produkte und Lösungen spielt nach Worten von Moderator Dauensteiner das Handwerk. Die Frage, ob überhaupt ausreichend Unternehmen ein Smart Home installieren können, beantwortete ZVEH-Geschäftsführer Bernd Dechert damit, dass der ZVEH frühzeitig auf die sich beschleunigende Entwicklung reagiert hat. „Endkunden können unter www.elektrohandwerk.de auf eine Datenbank mit über 600 qualifizierten Smart-Home-/Smart-Building-Betrieben zurückgreifen. „Die Nachfrage nach smarten Anwendungen für ein sicheres, komfortables und energieeffizientes Zuhause hat in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Die Ausbildungsberufe im E-Handwerk werden von jungen Menschen daher als immer attraktiver angesehen. Smarte, intelligente Gebäudetechnik ist ein hochattraktives Berufsfeld mit Zukunft. Mit den Technologien passen wir auch unsere Aus- und Weiterbildungsangebote ständig an. Unter www.e-zubis.de gibt es dazu zahlreiche Informationen“, erklärte Dechert.

Einig waren sich die Teilnehmer bei ihrem 10-Jahres-Ausblick in ihrer positiven Einschätzung des weiteren Marktverlaufs für Smart-Home-Anwendungen. Im Jahr 2028 werden Sprachassistenzsysteme in den Haushalten gang und gäbe sein. Smart-Home-Lösungen gehören im Neubau dann zur Grundausstattung.

Quelle: ZVEH

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